Ich bin jemand, der sich viele Gedanken macht. Darüber, wie ein Gespräch gelaufen ist, ob die andere Person etwas vielleicht falsch aufgefasst hat und was bei meinen Projekten alles schief laufen könnte.
Wahrscheinlich geht es vielen Menschen so und irgendwann stellt man sich unweigerlich die Frage: Wäre es nicht einfacher, sich weniger mit sich selbst und seinen Gefühlen zu beschäftigen? Unbekümmert und gleichgültig durchs Leben zu gehen?
Salopp wird oft behauptet, dumme Menschen seien glücklich, weil sie sich weniger Gedanken machen, über all das, was um sie herum geschieht. Natürlich ist die Frage, wie man “Intelligenz” überhaupt definiert, aber es ist durchaus spannend sich damit zu beschäftigen, ob schlaue Menschen tatsächlich unglücklicher sind.
Fluch oder Segen?
Bei einem Live Event von Jordan Peterson fragte ein Teilnehmer:
“The depth of my consciousness causes me to suffer. Is it a blessing or a curse to feel everything so very deeply?”
Ist es ein Fluch oder ein Segen, tiefe Emotionen zu verspüren? Sensibel zu sein und sich selbst zu hinterfragen?
Als Teenager ging es mir ähnlich. Ich habe alles hinterfragt und wusste nicht, was ich eigentlich will. Ich habe mich angepasst, auch wenn es sich nicht richtig anfühlte, weil es alle getan haben.
Dieses ständige Hinterfragen führte zu einer gewissen Selbstkritik. Ich hatte einen Wertekompass und bereits damals spielte ich Situationen immer und immer wieder in meinem Kopf ab, die sich nicht richtig anfühlten.
Man sieht nicht in andere Menschen hinein und somit dachte ich, einer der wenigen zu sein, der sich so viele Gedanken übers eigene Leben macht. Im Nachhinein weiß ich, dass fast jeder so eine Phase durchlebt.
Leider nutzen viele diese Chance nicht, sich selbst besser kennenzulernen. Vielmehr lernen sie, wie man die unangenehmen Gefühle loswird und sie unterdrückt. Sie entwickeln Wege, um nichts zu fühlen und sich zu betäuben.
Sei es Alkohol, Social Media oder exzessive Arbeit. Sie halten sich immer beschäftigt, weil sie wissen, dass sich der eigene Geist meldet, wenn sie zur Ruhe kommen. All diese unangenehmen Fragen, was man im Leben erreichen möchte und was man mit dieser kurzen Zeit auf der Welt anstellen soll. Das halten sie nicht aus.
Nichts zu spüren und gleichgültig durchs Leben zu gehen, ist definitiv keine Lösung.
Doch auch bewusst durchs Leben zu gehen ist nicht einfach. Schon damals beschäftigte mich die Frage:
“Haben es Menschen einfacher, denen all das egal ist?”
Mit dieser Frage bin ich nicht allein. Und offenbar beschäftigt sie nicht nur Grübler und Selbstreflektierende, sondern auch die Wissenschaft. Was sagen also die Daten dazu?
Die Antwort ist überraschend: Es gibt kaum einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Glück. Wenn überhaupt, scheint höhere Intelligenz eher emotionale Stabilität zu begünstigen als Unglück zu verursachen.
Eine Langzeitstudie mit fast 10.000 Briten zeigte, dass Menschen mit niedrigerem IQ deutlich stärkere Schwankungen in ihrer Lebenszufriedenheit aufwiesen als Menschen mit höherem IQ.
Das ist zumindest beruhigend. Smarte Menschen sind also nicht grundsätzlich unglücklich. Doch woher kommt dann diese Idee?
Worauf fokussierst du dich?
Als smarter Mensch ist es grundsätzlich einfacher für dich, all die negativen Dinge in deinem Alltag zu erkennen und zu verstehen. Außerdem bist du dir all deines selbstsabotierenden Verhaltens bewusst.
Du spürst nicht nur die Konsequenzen negativer Entscheidungen, du peinigst dich zusätzlich, indem du mit deiner Entscheidung haderst. Die klassische Idee der zwei Pfeile.
Manche Overachiever behaupten sogar von sich selbst, dass sie nicht glücklich sein wollen. Sie wollen erfolgreich sein und glücklich zu sein könnte ihnen den Ehrgeiz nehmen, hart zu arbeiten.
Es kann also durchaus sein, dass du es schwerer hast, glücklich zu sein, weil du dir zu viele Gedanken machst. Das heißt aber nicht, dass du nichts daran ändern kannst.
Auch das Argument, dass man durch Wissen die Probleme der Welt kennt und deshalb nicht optimistisch sein kann, halte ich für absoluten Unsinn.
Viele rühmen sich damit, zu wissen, was in der Welt alles schiefläuft und warum wir dem Untergang geweiht sind. Sie werden zynisch und erklären dir, warum auch du nicht positiv sein solltest. Super smarte Menschen kommunizieren häufig nur noch in zynischen Einsichten.
Aber kann das wirklich ein Zeichen von Intelligenz sein?
Sich mit wichtigen Themen zu beschäftigen und dort Fortschritte zu erzielen, ist unfassbar befriedigend. Wenn du dich also mit einem der großen Probleme der Welt auseinandersetzt und dort auch nur eine kleine positive Veränderung bewirkst, wirst du glücklich sein und gerne arbeiten.
Das Problem ist vielmehr, dass wir Probleme nur wälzen, ohne etwas zu tun.
Der Klimawandel zum Beispiel ist ein enorm wichtiges Thema. Doch sich immer tiefer einzugraben, ohne jemals wirklich etwas dagegen zu unternehmen, ist nutzlos. Was bringt es, alle Daten bis ins Detail zu kennen, wenn du trotzdem monatelang keinen Schritt in die richtige Richtung machst?
Ist das schlau? Nein, das ist schlicht wertlos.
Selbstverständlich ist es wichtig, die Grundlagen zu kennen, um informierte Entscheidungen zu treffen. Doch dass der Zug umweltfreundlicher ist als das Auto oder eine kleine Wohnung ressourcenschonender als ein riesiges Haus am Land ist nicht sonderlich schwer zu verstehen. Wenn es rein um die Umsetzung im Alltag geht, hat man die wichtigsten Themen wohl in wenigen Stunden abgehandelt.
Zum Glück kümmern sich andere schlaue Menschen um die großen Probleme dieser Welt. Und auch für die Welt als Ganzes ist es besser, wenn du dich auf den Bereich fokussierst, in dem du tatsächlich etwas bewegen kannst, anstatt dich in Problemen zu verlieren, bei denen du keinen Hebel hast.
Jeder Tag ist Schule
Mittlerweile bin ich bis zu einem gewissen Grad angekommen. Ich verstehe meine Emotionen besser, kann sie regulieren und weiß, was mir gut tut.
Dieses Bewusstsein macht das Leben umso vieles reicher.
Ein einfacher, durchschnittlicher Arbeitstag fühlt sich hervorragend an. Mein Alltag macht mich wahnsinnig glücklich und ich gehe mit einer gesunden Portion Dankbarkeit durchs Leben.
Nicht umsonst würde ich mich selbst zu den glücklichsten Menschen zählen.
Ich weiß, dass es noch Unmengen zu lernen gibt und ganz ankommen wird man wohl nie. Doch alleine die Tatsache, dass ich mich so jung bereits damit beschäftige und mich Jahr für Jahr besser kennenlerne, bestärkt mich.
Mir gefällt die Frage von Naval Ravikant: „If you are so smart, why aren’t you happy?
Wenn du so schlau bist, warum bist du dann nicht glücklich?
Intelligenz ist kein Hindernis für Glück. Sie ist das Werkzeug, um es zu erreichen wenn man sie richtig einsetzt.
Es ist für mich ein Zeichen von Intelligenz, sich ein Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Das bedeutet aber auch, neue und unkonventionelle Wege zu gehen. Und das bringt Zweifel mit sich. Man hinterfragt, ob der derzeitige Weg der richtige ist. Doch das gehört dazu. Es ist ein Lernprozess und wer ihn annimmt, wird langfristig daran wachsen.
Du kannst häufig nicht beeinflussen, was dir passiert. Doch du bist immer dafür verantwortlich, wie du darauf reagierst.
Jeder hat schlechte Momente, keine Frage. Auch mich ärgert immer mal wieder etwas oder ich bin mit einer negativen Nachricht überfordert. Das Wichtige ist allerdings, wie ich damit umgehe.
Ich kann ehrlich sagen, dass ich mich nicht erinnern kann, wann ich das letzte Mal einen schlechten Tag hatte. Maximal sind es ein paar schlechte Stunden und wenn ich das merke, beschäftige ich mich intensiver mit dem Thema oder schalte einen Gang zurück. Recht schnell komme ich von der ungefilterten Reaktion in einen reflektierten Prozess und sehe das größere Bild.
Der wohl wichtigste Ausgleich ist für mich Dankbarkeit.
Fokussier dich nicht auf das, was falsch läuft oder in deinem Leben fehlt, sondern sei dankbar für all die Dinge, die gut laufen auf die du jahrelang hingefiebert hast und die du heute als selbstverständlich betrachtest.
Vielleicht denkst du dir: „Ja, aber im Moment ist das nicht so einfach.“ Vollkommen richtig – aber schon diese Aussage allein enthält eine wichtige Einsicht. Wenn es in der Vergangenheit immer nur vorübergehend so schlimm war und sich die Situation mit der Zeit beruhigt hat, warum sollte es dieses Mal anders sein?
Setz dich mit dir und deinen Gefühlen auseinander. Das ist zu Beginn unangenehmer, als jede negative Emotion mit TikTok oder Netflix wegzuwischen. Allerdings lernst du mit jedem Mal mehr über dich selbst.
Du realisierst früh, wenn sich eine negative Emotion ausbreitet. Meditation hilft dabei enorm. Mit etwas Übung schaust du der Emotion fast von außen zu. Wie ein unbeteiligter Beobachter, der sich fragt: Warum fühle ich mich gerade so? Was steckt dahinter?
Zwei tiefe Atemzüge im stressigen Alltag, um zu realisieren, was gerade um dich herum passiert, sind Gold wert.
Spiele die volle Klaviatur des Lebens. Nicht nur die angenehmen Töne, sondern auch die schwierigen. Denn genau dort steckt das meiste Wachstum.
Ein wahnsinnig spannender Blog Beitrag von Naval Ravikant zu dem Thema: https://nav.al/smart und einer der besten Podcasts, die ich je gehört habe: The Happiness Expert That Made 51 Million People Happier.
Weiterlesen:
„Wie du dich betäubst und was du dagegen tun kannst”
„Es ist ok zu brechen: Der Weg zu innerer Stärke”
„Warum Pessimismus uns dominiert”
Buchempfehlungen
Die subtile Kunst des darauf Scheissens – Mark Manson
Der Almanach von Naval Ravikant – Eric Jorgenson
Abschließend ein Zitat von Viktor Frankl:
„Everything can be taken from a man but one thing: the last of the human freedoms — to choose one’s attitude.”
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