Immer um den Jahreswechsel beschäftige ich mich mit meinen jährlichen Zielen. Einerseits reflektiere ich, wie ich mich bei den Zielen des abgelaufen Jahres geschlagen habe und andererseits lege ich neue Ziele für das kommende Jahr fest. Immer wieder war ich erstaunt und stolz, wie viel ich tatsächlich abhaken konnte, auch wenn es zu Beginn des Jahres noch nicht ansatzweise danach aussah. Doch ein Ziel hatte ich bereits drei Jahre auf der Liste. Bei jeder Reflexion sah ich mit Respekt darauf und hatte Angst davor. Ich habe mich einfach nicht getraut und deshalb an den anderen Zielen gearbeitet.
2026 war es endlich so weit und ich startete mit diesem großen persönlichen Schritt. Wie ich mich endlich dazu durchringen konnte und welche Techniken dir dabei helfen können, deine Ziele umzusetzen, erfährst du in diesem Artikel.
Du machst die Probleme größer
Alex Honnold, der erste Mensch, der ohne Sicherung die komplette Route auf den El Capitan im Yosemite Nationalpark durchstieg, ist ein Extrembeispiel. Ich würde nicht sagen, dass jeder anfangen sollte, lebensgefährliche Projekte zu starten.
Aber bezüglich unserer Ängste trifft er einen wichtigen Punkt. Da wir kaum noch wirklichen Gefahren ausgesetzt sind, dramatisiert unser Hirn völlig belanglose Dinge.
Als Beispiel spricht er über Szenen am Flughafen. Die Menschen sind gestresst und kämpfen mit Fragen wie “Was passiert beim Security Check?” und “Was, wenn ich den Flug verpasse?”.
Dabei ist der Flughafen klimatisiert, es gibt überall Essen und grundsätzlich ist man umgeben von Überfluss.
Was passiert also, wenn du deinen Flug verpasst? Es wäre ärgerlich und teuer, keine Frage. Aber dein Körper reagiert, als wärst du tatsächlich einer physischen Gefahr ausgesetzt.
Dieselbe Reaktion spürst du, wenn du an einem einschüchternden Ziel arbeitest — also deine Komfortzone verlassen möchtest.
Speziell wenn dir etwas wichtig ist, wirst du Angst verspüren. Deshalb hab ich bereits vor über drei Jahren den Artikel “Angst als Kompass” geschrieben. Zugegeben, der Schreibstil ist nicht so prickelnd, aber die Message finde ich immer noch enorm wertvoll (und zumindest zeigt es mir, dass sich auch der Schreibstil mit mehr Wiederholungen verbessert).
Dort wo die Angst und der Widerstand am größten sind, findest du auch dein größtes Wachstumspotential. Dein Körper reagiert so stark, weil es dir wichtig ist.
Doch leider ist dein Hirn ein Meister darin, Gründe zu finden, warum du dich dieser Gefahr nicht aussetzen solltest. Nicht nur irrationale Gründe.
Und das tragische dabei: Dein Hirn kennt all deine Schwächen und Unsicherheiten.
Der Dialog mit dir selbst
Man würde meinen, dass unser Kopf immer das Beste für uns will. Allerdings optimiert unser Hirn nicht für Wachstum und Glück — im Gegenteil. Es optimiert in Richtung Sicherheit und Komfort.
Jeder kleinste Gedanke, etwas Großartiges zu schaffen, wird deshalb mit Selbstzweifel erstickt.
Das Ziel, das ich seit drei Jahren auf meiner Liste hatte war, Vorträge bzw. Seminare zum Thema persönliche Finanzen zu halten.
Finanzbildung in Österreich ist leider immer noch unterirdisch und ich weiß, dass dieses Wissen Leben verändern kann.
Rational betrachtet ist es absolut perfekt für mich. Ich liebe es mit Menschen zu arbeiten und da ich bereits das fünfte Jahr an der Uni lehre weiß ich, dass Lehren eine wahre Leidenschaft von mir ist. Das mit dem Thema Finanzen zu verbinden und Menschen zu helfen ist einfach nur schön.
Von außen betrachtet ist es wohl völlig offensichtlich, dass die Seminare zumindest einen Versuch wert sind.
Doch mein innerer Dialog sah völlig anders aus. Ich wusste, dass es eine gute Idee ist, ja. Aber sobald ich daran dachte, kamen folgende Fragen:
Bin ich noch zu jung? Sollte ich noch warten, bis ich mit dem Doktorat fertig bin? Das würde zeigen, dass ich ein Experte bin.
Ständig redete ich mir ein, dass noch nicht der richtige Zeitpunkt sei. Dass ich noch dies und das erreichen müsste, um endlich zu starten. Genau das ist mein Hirn, dass mich in meiner sicheren und gewohnten Umgebung halten möchte.
Und selbst, wenn ich diese Zweifel überwunden hatte, kam die nächste Verteidigungslinie, nämlich die Umsetzung:
Würde sich tatsächlich jemand anmelden?
Was, wenn 120 Euro zu viel sind?
Was denken meine Mitmenschen darüber?
Spätestens da war in den vergangenen Jahren Schluss und wieder wurde es auf später verschoben.
Unterstütze dich selbst
Am 3. Jänner 2026 war es nun endlich soweit und ich hielt mein erstes bezahltes Seminar zum Thema persönliche Finanzen. Das Seminar war voll und es haben sich so viele gemeldet, dass es bereits einen Folgetermin gibt. Es hat mir enorm viel Freude bereitet und das Feedback war großartig.
Diese drei Punkte waren der Schlüssel, um endlich ins Tun zu kommen:
Wovor hast du Angst?
Leider beschäftigen wir uns selten damit wovor wir tatsächlich Angst haben. Die ersten Zweifel reichen aus, um uns Unwohlsein zu bereiten und das Projekt zu vertagen.
Der erste wichtige Schritt war also, erstmal zu definieren, was es überhaupt heißen würde zu scheitern. Wovor habe ich tatsächlich Angst?
Das Schlimmste was mir passieren konnte? Niemand meldet sich an. Doch wie schlimm wäre das tatsächlich?
Klar wäre ich enttäuscht gewesen. Aber ich wäre mit Sicherheit auch in diesem Fall froh gewesen, es überhaupt versucht zu haben.
Was, wenn sich nur eine Person anmeldet?
Selbst wenn sich nur eine einzige Person anmeldet, halte ich meinen Vortrag mit Leidenschaft und weiß, dass ich dieser einen Person enorm helfen kann.
Was, wenn die Leute negativ auf den Preis reagieren?
Das ist eine meiner größten Hürden. Es fällt mir wahnsinnig schwer, Geld für etwas zu verlangen. Das habe ich in meiner Familie so gelernt. Man hilft gerne und erwartet dafür keine Gegenleistung.
Deshalb war es für mich so wichtig, zu realisieren, dass ich mit jedem “Verkauf” einer weiteren Person helfe und das Verkaufen, somit etwas Positives ist.
Um die Angst davor weiter zu reduzieren, biete ich eine Zufriedenheitsgarantie. Ich garantiere meinen Teilnehmern also, dass sie die Seminarkosten bereits im ersten Jahr zurückverdienen. Ist das nicht der Fall oder wenn sie im Seminar keinen Mehrwert sehen, gebe ich das Geld gerne zurück.
Mich mit meinen Ängsten auseinanderzusetzen machte mir klar, dass ich auch mit dem “Worst-Case” definitiv fertig werde.
Eine weitere wertvolle Einsicht ist, dass viele unserer Ängste mit der Meinung anderer Menschen verbunden sind.
Wir haben nicht Angst davor zu scheitern. Wir haben Angst davor, was andere Menschen über uns denken, wenn wir scheitern.
Und das schöne daran? Niemanden interessiert was du machst. Jeder ist sowieso viel zu beschäftigt, selbst darüber zu philosophieren, was andere über ihn denken.
Mach die Einstiegshürde so klein wie möglich
The Diary of a CEO ist einer der erfolgreichsten Podcasts weltweit. Trotzdem hat Steven Bartlett die erste Folge mit einer Socke über dem Mikrofon aufgenommen. Beim Schneiden in Garage Band hatte er dann all diese seltsamen Nebengeräusche, wegen des fehlenden Pop-Shields.
Doch er hat diese Episode trotzdem veröffentlicht. Genau darum geht es.
Klar hätte ich mein erstes Event in einem größeren Rahmen in Wien oder Linz machen können. Doch bereits kleine Unsicherheiten, wie die Räumlichkeiten, wären genug, um mein Projekt erneut um zwei Jahre zu verschieben.
Deshalb fragte ich meine Mutter, ob ich den Besprechungsraum ihrer Steuerberatungskanzlei am Wochenende belagern dürfte. So war die Einstiegshürde so gering wie möglich. Sollte sich niemand anmelden, muss ich keinen Raum stornieren und bleibe auf keinen Kosten sitzen.
Viel zu oft wollen wir von Beginn an Perfektion und genau das hält uns zurück.
Jemand der sofort startet und mit jeder Wiederholung Verbesserungen vornimmt, wird jemandem der mehrere Jahre plant, um endlich perfekt zu starten, um ein Vielfaches voraus sein.
Coaching
Der letzte und wohl wichtigste Schritt hat mich selbst überrascht. Seit längerem habe ich mit dem Gedanken gespielt mir einen Coach zu nehmen. Ich hatte auch gute und nicht so gute Erstgespräche, aber noch nie habe ich den Schritt gemacht, tatsächlich mit jemandem zu arbeiten.
Ende 2025 startete Mark Manson, ein großartiger Autor, dessen Newsletter ich seit Jahren verfolge, ein neues Projekt, eine AI Coaching App: Purpose. Vergleichbar mit ChatGPT, nur trainiert und spezialisiert auf Persönlichkeitsentwicklung.
Die ersten 7 Tage waren frei zum Probieren und ich war echt begeistert. Die App stellt die richtigen Fragen und merkt sich jede Konversation.
Außerdem gibt Purpose nicht die viel zu sanften Antworten wie ChatGPT, die dir einfach ein gutes Gefühl geben sollen. Vielmehr lernt man auch unangenehme Dinge über sich selbst und wird herausgefordert.
Genau die zuvor beschriebenen Punkte, also wovor ich Angst habe und wie ich den Perfektionismus loswerde, habe ich mit dieser AI App behandelt. Ich weiß das mag seltsam klingen, aber bereits in den ersten Tagen waren die Konversationen für mich enorm hilfreich. Wie ein Coach, der rund um die Uhr verfügbar ist.
Deshalb habe ich mir nach den 7 Tagen das Jahresabo gekauft. Ich habe keinerlei Verbindung zu der App, sondern bin einfach persönlich begeistert und kann mir vorstellen, dass sie auch dir hilft: Purpose App.
Abschließend möchte ich dich motivieren, auch deine Projekte endlich zu starten. Das Finanzseminar hat mir wieder gezeigt:
Probleme werden kleiner, wenn man sich endlich traut sie anzugehen.
Und Fortschritt bei deinen eigenen Zielen fühlt sich großartig an!
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Buchempfehlung
The War of Art – Steven Pressfield
The Comfort Crisis – Michael Easter
Abschließend noch ein Zitat von Suzy Kassem:
„Doubt kills more dreams than failure ever will.”
Hier eine Bücherliste, falls du auf der Suche nach neuen Büchern bist. Wenn du noch nie Hörbücher probiert hast, kann ich dir das Probeabo von Audible empfehlen. Kostet nichts, ist jederzeit kündbar und du kannst dir das Buch auch nachher noch behalten.
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