Vor einigen Monaten habe ich das erste Mal in einem Podcast vom Hotdog Effekt gehört. Ich kannte den Podcast-Gast zuvor nicht, doch seine Philosophie hat mich begeistert. Es geht um Will Guidara. Er leitete das beste Restaurant der Welt und nennt seinen Ansatz „Unreasonable Hospitality”, also Unvernünftige Gastfreundschaft. Meiner Ansicht nach ist das für absolut jede Branche relevant und auch im Privatleben eine Möglichkeit, um unser Lebensglück zu steigern.
Der Hotdog Effekt
An einem Tag in einem der besten Restaurants weltweit war es mittags etwas stressiger als üblich. Deshalb unterstützte der Restaurantchef Will Guidara beim Abservieren. Am Tisch von vier Europäern räumte er die Appetizer ab und hörte folgende Geschichte. Sie waren Foodies, die nur nach New York reisten, um in herausragenden Restaurants zu essen. Dieses Restaurant, Eleven Madison Park, war der letzte Stopp und sie planten direkt nach dem Essen zum Flughafen zu fahren, um ihre Heimreise anzutreten.
Sie hatten in verschiedensten 3-Sterne-Restaurants gespeist, doch Will Guidara hörte, wie einer der vier sagte, sie hätten es gar nicht geschafft, einen klassischen New Yorker Hotdog zu essen. Ohne etwas zu sagen, ging der Restaurantleiter in die Küche zurück, rannte hinaus und holte einen Hotdog von einem Stand an der Straße.
Zurück in der Küche überzeugte er den Edelkoch, diesen Hotdog zu servieren. Er schnitt ihn in vier Teile, gab etwas Ketchup und Senf dazu, Sauerkraut und richtete sie mit etwas Kräutern fancy an.
Vor dem letzten Hauptgang, einer Honig-Lavendel Moschusente, die für zwei Wochen gedryaged wurde, servierte er den Hotdog. Er sagte, dass er zuvor ihr Gespräch gehört hatte und nicht wolle, dass sie mit kulinarischem Bedauern zurückreisen.
Die Gäste flippten vollkommen aus. Will Guidara arbeitete in den besten Restaurants der Welt, servierte feinsten Hummer und Wagyu-Rind, doch noch nie hatte er eine derartige Reaktion auf ein Gericht erlebt.
Overdeliver
Dieses Erlebnis war ein Game-Changer für Guidara. Von da an waren sie im Eleven Madison Park ständig auf der Suche nach Wegen, das Erlebnis für ihre Gäste noch besonderer zu gestalten.
Sie bemerkten, dass es im Eleven Madison Park auffällig oft zu Heiratsanträgen kam. Der naheliegende Ansatz war, den frisch Verlobten zwei Gläschen Champagner zu spendieren, um auf dieses großartige Ereignis anzustoßen. Sie gingen allerdings noch einen Schritt weiter.
Um dieses Erlebnis noch unvergesslicher zu gestalten, servierten sie die Gläser danach ab, spülten sie und packten sie in eine edle Box als Geschenk. So hatten die Verlobten für den Rest ihres Lebens genau die Gläser, mit denen sie in diesem Moment angestoßen hatten.
Die Idee ist, immer wieder die Erwartungen des Gegenübers zu übertreffen und so magische Momente zu kreieren. Overdeliver. Dieser Ansatz machte aus ihnen das beste Restaurant der Welt.
Doch das funktioniert nicht nur in der Gastronomie.
Eine Postfiliale gab ihren Beschäftigten die Möglichkeit, eigenständig drei Personen pro Tag auszuwählen, die für ihren Versand nichts bezahlen müssen. Das kostet kaum etwas und hat einen gewaltigen Einfluss.
Die Kunden reagieren völlig überrascht und sind begeistert. Aber mindestens so wichtig ist, dass die Freude der Angestellten durch diese Maßnahme enorm angestiegen ist. Dadurch profitieren nicht nur die drei Kunden, die ihr Paket kostenlos verschicken dürfen. Auch alle anderen haben dadurch jemanden gegenüber, der mit mehr Freude und Begeisterung arbeitet.
Mach es für dich
Diesen Ansatz kannst du auch für dich nutzen, egal ob in deinem Beruf oder im Privatleben.
Im Job wirst du dadurch eine engere Beziehung zu deinem Team und deinen Kunden aufbauen. Das ist nicht nur gut fürs Unternehmen, sondern auch für dich selbst.
Im Privaten wird dein Leben dadurch interessanter und bringt dich enger mit deinen Mitmenschen zusammen.
Wie beim Hotdog im Edelrestaurant, braucht es nichts Teures oder Herausragendes. Es geht darum, aufmerksam zu sein und jemandem mit etwas Unerwartetem zu überraschen.
Wenn du auf deinem Smartphone durch alte Bilder scrollst und eine schöne Erinnerung mit einem Freund findest, schick sie ihm und schreib, dass du dich gerne daran zurückerinnerst. Solche Kleinigkeiten können den gesamten Tag verändern.
Fokussiere dich dabei auf die Geste selbst. Schon das allein ist ein Gewinn. Freut sich dein Gegenüber, ist das eine schöne Draufgabe.
Wenn du dir hingegen jedes Mal denkst „so ein undankbarer Arsch“, wenn du keine Reaktion bekommst, machst du es aus dem falschen Grund.
Du bist dafür gemacht, anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Und diese Herangehensweise allein wird dein Leben positiv verändern.
Tu einem Freund, einer Kollegin oder deiner Partnerin etwas Gutes. Such in deinem Job nach Möglichkeiten, um die Erwartungen zu übertreffen.
All das klingt nach Maßnahmen, die positiv für dein Umfeld sind, und das sind sie auch. Doch die Person, die am meisten davon profitieren wird, bist du selbst.
Weiterlesen:
„Wenn sich dein Leben leer anfühlt”
„Warum es so schwer ist erwachsen zu sein?”
Buchempfehlungen
Unvernünftige Gastfreundschaft – Will Guidara
Der GO Giver! – Bob Burgh & John David Mann
Abschließend noch ein Zitat von Ralph Waldo Emerson:
„It is one of the beautiful compensations of life that no man can sincerely try to help another without helping himself.“
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