Einen reichen Menschen erkennen wir sofort. Schickes Auto, edle Kleidung, teure Uhr. Dazu ein riesiges Haus, Urlaub im Luxushotel, Abendessen im Sternerestaurant, das Bild ist eindeutig.
Wohlhabende Menschen erkennen wir nicht. Sie haben sich von den Vorgaben der Gesellschaft gelöst und leben, wie es ihnen passt. Vielleicht in Hoodie und Jogginghose, vielleicht im edlen Outfit. Sie müssen niemandem gefallen.
Das ist der Unterschied zwischen reich und wohlhabend. Ohne groß darüber nachzudenken: Was würdest du eher wollen?
Reich vs. wohlhabend
Der Unterschied zwischen reich und wohlhabend ist schnell erklärt. Reiche Menschen haben Geld. Wohlhabende Menschen haben Zeit. Und zwar den ganzen Tag, um zu tun was immer ihnen beliebt.
Geld allein heißt nicht, dass jemand wohlhabend ist. Viel zu oft laufen reiche Menschen in ihrem goldenen Hamsterrad und treiben es selbst immer weiter an.
Das riesige Haus braucht viel Zeit, oder eben Geld, um jemand anderen zu bezahlen, der die Arbeit macht. Beim Essen ist nur das Beste gut genug und der Urlaub muss in einem Luxusresort verbracht werden.
All das kostet Geld und Unternehmen sind smart. Sie haben für jede Zahlungsbereitschaft das passende Angebot. Es gibt keinen Deckel. Irgendetwas Edleres oder Feineres wird es immer geben.
Denk nur an Uhren. Schöne Modelle bekommt man schon um 1.000 Euro. Ab 5.000 ist man bei Omega oder Breitling, ab 10.000 bei Rolex. Wem das noch nicht prunkvoll genug ist, der wird bei Patek Philippe oder Richard Mille fündig. Selbst mehrere Millionen kann man problemlos für eine Uhr ausgeben.
Die Uhr geht nicht genauer und ist auch nicht robuster. Worum es geht, ist Wiedererkennbarkeit. Ein Signal, das andere lesen können.
Das trifft auf so vieles zu: Autos, Weine, Hotels, Wohnungen.
Der Markt hört nie auf. Also musst du aufhören.
Und zwar bewusst. Nicht dann, wenn das Geld ausgeht, sondern dann, wenn du sagst: Das reicht mir.
Genau das unterscheidet die beiden. Reiche Menschen hören auf, wenn sie sich das Nächste nicht mehr leisten können. Wohlhabende Menschen hören vorher auf, freiwillig.
Problematisch ist nicht, dass wir uns etwas Bestimmtes davon wünschen, sondern vielmehr, dass es nicht bei diesem Wunsch bleibt. Erreichen wir ein Ziel, sind wir maximal drei Monate glücklich damit. Dann haben wir uns daran gewöhnt und streben nach dem nächsten Spielzeug.
Reiche Menschen haben zwar oft alles, was sie sich vor fünf Jahren gewünscht haben. Doch sind sie deshalb glücklich?
Nein. Sie streben nach dem Nächsten und sind überzeugt, dass sie damit endlich glücklich werden.
So schlägt die Lifestyle Inflation mit voller Wucht zu. Der Lebensstil wird 1:1 an das höhere Einkommen angepasst und so bleibt nichts übrig.
Und noch schlimmer: Hat man sich erstmal an das Edlere gewohnt, ist es verdammt schwer, wieder einen Schritt zurückzugehen. Das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten.
Somit ist man trotz Geld weniger entspannt. Man muss weiter strampeln, von früh bis spät arbeiten, sieben Tage die Woche, um den bestehenden Lebensstil aufrechtzuerhalten. Da wären wir wieder bei besagtem goldenen Hamsterrad.
Wohlhabende Menschen gehen anders mit ihren Ressourcen um. Sie verstehen, dass es zum Leben eigentlich nicht viel braucht und dass Statussymbole langfristig nicht glücklich machen. Das ermöglicht ihnen, Wertanlagen aufzubauen, die für sie arbeiten. So werden sie frei.
Reichtum ist laut. Vermögen ist leise und strahlt eine Ruhe aus.
Statuskämpfe
Beim Zeigen seines Reichtums geht es immer um Status. Leider sind Statuskämpfe ein Nullsummenspiel.
Es muss also immer eine Person von einem Platz vertrieben werden, damit eine andere Person nachrücken kann. Im Sport ist das völlig normal. Um die Nummer 1 der Welt werden zu können, muss zwangsweise die bisherige Nummer 1 abgelöst werden.
Hätte jeder eine Rolex, wäre sie als Signal wertlos. Es geht darum, zu signalisieren, dass man etwas hat, was sich nicht jeder leisten kann.
Die Wirtschaft ist kein Nullsummenspiel. Ein Start-up kann eine ganze Region beleben, Arbeitsplätze schaffen und umliegende Betriebe vorantreiben.
Derselbe Euro kann unzählige Male ausgegeben werden. Der Friseur geht zum Fleischhauer um einzukaufen. Der geht damit zur Steuerberaterin. Die geht zum Physiotherapeuten. Und der geht wiederum zum Friseur, um sich die Haare schneiden zu lassen. Derselbe Euro ist wieder dort, wo er hergekommen ist und allen geht es besser.
Auch in einem Team können sich alle gemeinsam nach oben ziehen und alle profitieren davon. Man motiviert sich gegenseitig, wächst gemeinsam und stärkt so das Unternehmen, das einen bezahlt. Ganz ohne Statuskämpfe.
Du kannst Statuskämpfe nicht gewinnen. Du kannst sie nur verlassen.
Niemand zwingt dich, an diesem Spiel teilzunehmen. Es gibt genug Spiele, bei denen alle gewinnen können. Du musst dich nur für eines entscheiden.
Und das Leben ist gar nicht so teuer, wenn wir nicht danach streben, andere zu beeindrucken. Es bleibt jedes Monat etwas übrig, um das eigene Vermögen aufzubauen.
Wenn ich diese Zeilen so schreibe, klingt es so klar, dass wohlhabend zu sein, dem reichen Leben deutlich überlegen ist. Doch warum streben dann so viele von uns in die andere Richtung?
Das liegt zu einem großen Teil daran, wie wir gestrickt sind.
Was gemessen werden kann, bekommt unsere Aufmerksamkeit. Wie viel Geld wir verdienen. Wie viel Gewicht wir stemmen können. Wie viele Schlafzimmer unser Haus hat.
Und haben wir erst mal eine Zahl im Kopf, ist es natürlich, diese verbessern zu wollen. Wir machen uns Gedanken, wie wir mehr Geld verdienen, mehr Gewicht heben oder eine größere Wohnung bekommen können. Was gemessen werden kann, wird wichtig. Nicht, weil es tatsächlich wichtiger wäre, sondern weil es einfach zu sehen und zu vergleichen ist.
Eine neue Perspektive kann helfen. Anstatt dich zu fragen, „Wie bekomme ich mehr?”, versuche es mit, „Was ist eine inspirierende Art zu leben?”.
Unabhängigkeit und Freiheit
Bei einer Konferenz habe ich vor kurzem einen sehr erfolgreichen Manager gehört, der bereits am Ende seiner beruflichen Laufbahn steht. Er sagte so schön, er habe sich das Recht erarbeitet, nicht mehr mit Arschlöchern zusammenarbeiten zu müssen.
Sein Lebensweg und seine finanzielle Situation gibt ihm die Möglichkeit, sich die Projekte auszusuchen, an denen er arbeiten möchte. Zuletzt hat er ein Buch geschrieben.
Als wohlhabende Person bist du frei. Du musst bei politischen Spielchen nicht mitspielen und bist auf respektlose Kunden nicht angewiesen. Deine Investitionen geben dir die Sicherheit, auch mal ein finanziell reizvolles Projekt ziehen zu lassen, das dich unglücklich machen würde.
Bei derselben Konferenz erzählte mir die Österreich-Chefin eines börsennotierten Konzerns von ihren Zielen. Ihr Ziel ist es, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ein ähnliches Mindset haben wie sie. Menschen, die Gas geben und wirklich etwas verändern wollen.
So eine Arbeitsweise ist ansteckend und motiviert alle, ihr Potenzial auszuschöpfen. Der Fortschritt zieht weitere A-Player an. Ein großartiges Ziel.
Du verbringst einen derart großen Teil deines wachen Lebens mit Arbeit. Es ist Gold wert, in einem Team zu arbeiten, das du persönlich schätzt und das dich inspiriert. Ein absoluter Game-Changer für dein Lebensglück.
Wohlhabend zu sein gibt dir genau diese Freiheit, dir die Menschen auszusuchen, mit denen du arbeiten möchtest. Du bist auf niemanden mehr angewiesen und kannst ein Leben nach deinen Vorstellungen gestalten.
Du kannst Herzensprojekte verfolgen und dich mit Menschen umgeben, die dir guttun.
Das ist auch für mich ein erstrebenswertes Ziel.
Nicht zu arbeiten klingt für mich nicht verlockend. Aber täglich mit motivierten Menschen an etwas Sinnvollem zu arbeiten, das klingt großartig.
Wie dein Leben aussieht, weißt nur du. Aber es gibt kaum ein besseres Gefühl, als selbst darüber zu bestimmen. Nicht zu müssen, sondern zu wollen. Nein sagen zu können, ohne zu rechnen.
Frag dich diese Woche einmal, was du anders machen würdest, wenn du völlig frei entscheiden könntest. Und fang gleich an, Teile davon in dein Leben einzubauen. Schritt für Schritt.
Das Ziel ist, jeden Tag glücklich aufzustehen, mit Freude auf den Tag, der kommt.
Weiterlesen:
„Wähle dein Status-Spiel weise”
„5 Arten dein Geld auszugeben und welche dich wirklich glücklich machen”
„3 Fehler am Weg zur finanziellen Freiheit”
Buchempfehlung
Trust Chaos – Christian Zippel
Das Buch ist ganz anders. Deutsch und Englisch gemischt, Hashtags werden eingebaut, doch es ist wahnsinnig unterhaltsam zu lesen. Es sind auch einige Ansichten, die ich nicht teile, aber das Buch gibt neue Perspektiven und wahnsinnig viele Ideen, die ich in dieser Form noch nie gelesen habe. Also definitiv eine Empfehlung.
Abschließend noch ein Zitat vom Ökonomen Jeffrey Sachs:
„Living doesn‘t cost much, but showing off does.“
Hier eine Bücherliste, falls du auf der Suche nach neuen Büchern bist. Wenn du noch nie Hörbücher probiert hast, kann ich dir das Probeabo von Audible empfehlen. Kostet nichts, ist jederzeit kündbar und du kannst dir das Buch auch nachher noch behalten.
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