Die größten Fehler beim Vermögensaufbau IV

Dies ist der vierte Teil der Artikelserie „Die größten Fehler beim Vermögensaufbau“. Falls du die ersten drei Artikel noch nicht gelesen hast findest du sie hier:

Teil ITeil II & Teil III

Im dritten Teil ging es darum, dass du zu wenig Risiko nimmst und dein Geld nicht für dich arbeiten lässt. Die Frage ist allerdings, worin soll man investieren? Es gibt unzählige Möglichkeiten und jeder behauptet etwas anderes. Geschichten von Bekannten oder windigen Finanzgurus versprechen das schnelle Geld. Das führt uns zum vierten Fehler beim Vermögensaufbau: Du nimmst die falschen Risiken.

Fehler 4: Die falschen Risiken

Wahrscheinlich kennst auch du jemanden, der mit Kryptowährungen große Summen verdient hat. Auf sozialen Medien siehst du junge Männer in einem Porsche, die dir von Trading Strategien erzählen, die dich in wenigen Wochen zum Millionär machen sollen.

Eine Klarstellung gleich zu Beginn:

Eine Person, die dir hohe Rendite ohne Risiko verspricht, lügt dich an.

Hört sich etwas zu gut an, um wahr zu sein, dann ist es das wahrscheinlich auch.

Doch die große Gefahr ist wohl gar nicht, dass du auf diese seltsamen Stories hineinfällst. Das Hauptproblem ist vielmehr, dass sie dich verunsichern.

Sie werfen mit Begriffen um sich wie Binäre Optionen, Turbo-Zertifikate oder Bollinger Bänder. Damit wollen sie dir zeigen, welch großartige Experten sie sind.

Jedoch sind all das Dinge, die niemand braucht und sie führen dazu, dass die Finanzindustrie zu diesem komplexen und undurchsichtigen Konstrukt wird.

Du weißt nicht wo du überhaupt anfangen sollst und auch nicht, wer tatsächlich deine Interessen vertritt oder dir einfach etwas verkaufen möchte. Manche schalten dabei vollkommen ab und beschäftigen sich nie mit ihren privaten Finanzen.

Andere steigen vorsichtig ein. Sie bleiben zwar skeptisch, aber irgendwie wirken die Videos kompetent und es wird immer wieder gezeigt, wie viel Geld damit verdient werden kann. Damit kommt die klassische Fear of Missing Out (FOMO).

Der Traum vom schnellen Geld

Jemand in meinem persönlichen Umfeld hat mich mal nach meiner Meinung gefragt, zu einer Person die mit binären Optionen handelt. Die Gewinne waren großartig.

Und ganz exklusiv hätte diese Person ihre Geheimnisse geteilt. Gegen den Einwurf von Münzen versteht sich.

Doch wie kann es zu so großartigen Gewinnen kommen?

Meiner Ansicht nach nur über zwei Wege: Entweder die Person lügt dich an. Oder sie ist einer der statistischen Ausreißer, die über einen langen Zeitraum Glück hatte.

Was meine ich damit?

Bei binären Optionen wettest du darauf, ob beispielsweise der Preis einer Aktie, eines Rohstoffs, einer Währung in einem bestimmten Zeitraum steigt oder fällt. Liegst du richtig bekommst du einen fixen Betrag, also zum Beispiel +80%, und wenn du falsch liegst bekommst du nichts.

Also fast wie ein Münzwurf. Denn über die nächsten Stunden weiß niemand, wie ein beliebiger Preis sich entwickelt.

Aber auch wenn die Chance 50/50 ist, wird es rein zufällig Menschen geben, die oft hintereinander gewinnen.

Denn wenn 10.000 Personen immer mit einer Chance von 50:50 wetten, gewinnen statistisch gesehen knapp 10 Personen 10 Mal hintereinander.

Das ist allerdings nicht auf die Expertise zurückzuführen, sondern einfach Glück. Und genau das kann in verschiedensten Märkten, wie Aktien, Kryptowährungen oder CFDs passieren.

Deshalb kann es sogar ein Segen sein, wenn du dir bei riskanten Finanzprodukten gleich zu Beginn die Finger verbrennst. Denn wir unterliegen kognitiven Verzerrungen, sogenannten „Biases”.

Einen dieser Biases kennen wir alle vom Kartenspielen: Wenn wir gewinnen haben wir großartig gespielt und wenn wir verlieren? Dann war es Pech.

Das ist der Self-Attribution-Bias. Und der trifft uns auch bei unseren Investments.

Investierst du beispielsweise in Einzelaktien, redest du dir selbst ein, dass deine Analyse und dein Wissen zu deinen Gewinnen geführt haben. Fallen deine Aktien hingegen, dann war es ein unvorhersehbares Event, wie globale Zölle oder ein Krieg im persischen Golf.

Du musst dich entscheiden: Entweder ist alles Glück oder alles Können. Beides geht nicht. Wer nur die Rosinen pickt, täuscht sich selbst, und das kostet dich langfristig viel Geld.

Das führt uns gleich zum nächsten Bias: der Overconfidence.

Wir glauben mehr zu wissen als alle anderen. Wie kann es sonst sein, dass über 90 Prozent von sich behaupten, überdurchschnittlich gute Autofahrer zu sein? Per Definition können es nur 50 Prozent sein.

Auch das ist hochrelevant für deine Investments. Wenn für dich etwas offensichtlich ist, solltest du dir immer die Frage stellen, warum es dann alle anderen nicht auch sehen? Bist du wirklich so brilliant und so über das Weltgeschehen informiert, dass du mehr weißt als Investoren, die sich Vollzeit mit nichts anderem beschäftigen?

Und selbst die haben Probleme damit, besser als der Durchschnitt zu sein. Was sagt das über deine Chancen?

Vermögensaufbau braucht Zeit

Du solltest dich jedenfalls aufs Investieren konzentrieren und nicht spekulieren.

Wann immer du etwas kaufst, in der Hoffnung, dass es in kurzer Zeit im Preis steigt, ist das Spekulation.

Dies ist häufig bei unproduktiven Assets der Fall. Unproduktiv bezieht sich hier darauf, ob die Investition laufende Erträge erwirtschaftet.

Denk zum Beispiel an Gold oder Kryptowährungen. Die einzige Hoffnung ist dabei, dass der Preis ansteigt.

Bei produktiven Assets wie Aktien, Immobilien oder Anleihen sieht das anders aus. Durch Aktien wirst du Miteigentümer in Unternehmen. In diesen Unternehmen arbeiten Menschen, die Wert stiften und Gewinne erwirtschaften. Als Miteigentümer hast du ein Anrecht auf deinen Teil des Gewinns. Der Teil, der ausgeschüttet wird, ist die sogenannte Dividende.

Immobilien erwirtschaften laufend Mieteinnahmen und bei Anleihen erhältst du regelmäßig Kuponzahlungen, also Zinsen dafür, dass du jemandem dein Geld leihst.

Produktive Assets arbeiten für dich, auch wenn du schläfst.

Mit weltweit gestreuten Fonds kannst du einfach und diversifiziert in diese Wertpapiere investieren.

Das Problem dabei? Es ist nicht sexy oder spannend.

Auf einer Party wirst du mehr Blicke auf dich ziehen, wenn du von der dreifach gehebelten Long-Short-Strategie an den Kryptomärkten erzählst, als wenn du global gestreut in Aktien investierst. Dabei erwirtschaftet die zweite Variante deutlich bessere Renditen.

Vermögensaufbau belohnt Geduld und Langeweile.

Ein Bekannter fragte mich mal, was er mit seinem Geld tun soll, denn: „Ich hab schon so viel von einem Weltaktienfonds. Das ist langweilig.”

Aber deine Investments sind nicht dazu da, dich zu unterhalten. Sie sollen dir die Freiheit geben, außerhalb der Finanzwelt spannende Dinge zu erleben.

Die Kunst ist, das Stabile und Langweilige konsequent durchzuziehen, über Jahre, während alle um dich herum durchdrehen, nervös werden und dir von der neuesten „sicheren“ Möglichkeit reich zu werden erzählen.

Vermögensaufbau braucht Zeit und du solltest es nicht komplizierter gestalten als es sein muss. Fokussiere dich auf die Basics, stell deine Investments solide auf und lass dein Geld arbeiten.

Das gibt dir die Möglichkeit, dich auf dich und deine Fähigkeiten zu konzentrieren. Verbessere dich, statt immer dem nächsten Trend nachzujagen. So steigerst du dein Potenzial Geld zu verdienen, und das dient deinem Vermögensaufbau weitaus mehr.


Weiterlesen:

Investieren vs. Spekulieren

Wie uns unsere Intuition beim Vermögensaufbau im Weg steht

Wie sieht finanzielle Gesundheit aus?

Wie du zur Schlüsselarbeitskraft wirst

Buchempfehlung

Narren des Zufalls – Nassim Nicholas Taleb

Abschließend noch ein Zitat von Josh Billings:

„It ain’t what you don’t know that gets you into trouble. It’s what you know for sure that just ain’t so.“

Hier eine Bücherliste, falls du auf der Suche nach neuen Büchern bist. Wenn du noch nie Hörbücher probiert hast, kann ich dir das Probeabo von Audible empfehlen. Kostet nichts, ist jederzeit kündbar und du kannst dir das Buch auch nachher noch behalten.

Über deine Anmeldung zum Newsletter würde ich mich enorm freuen.


Beitrag veröffentlicht

von