Die größten Fehler beim Vermögensaufbau V

Dies ist der fünfte Teil der Artikelserie „Die größten Fehler beim Vermögensaufbau“. Falls du die ersten vier Artikel noch nicht gelesen hast, findest du sie hier:

Teil ITeil IITeil III & Teil IV

Im letzten Artikel habe ich über die falschen Risiken geschrieben und den Unterschied zwischen produktiven und unproduktiven Assets. Heute geht es um deine Herangehensweise. Denn selbst wenn du bei produktiven Assets, wie Aktien oder Fonds, bleibst, darfst du nicht zu sprunghaft sein. Viele Menschen verfolgen das Weltgeschehen und haben das Bedürfnis, ihre Veranlagung dementsprechend anzupassen. Doch genau das ist der Fehler.

Das Spannende ist, wenn du diesen Fehler vermeidest, wird nicht nur dein Veranlagungserfolg besser, du musst auch weitaus weniger Zeit für dein Vermögen aufwenden.

Fehler 5: Du handelst zu viel

Brad Barber und Terrance Odean publizierten bereits im Jahr 2000 eine seither tausendfach zitierte Studie mit dem Titel: „Trading Is Hazardous to Your Wealth”, also Handeln ist gefährlich für dein Vermögen.

Wie kann das sein? Sollte es nicht von Vorteil sein, sich länger mit seinen Investitionen zu befassen und dementsprechend zu handeln?

Um das zu beantworten müssen wir die Börse an sich verstehen und wie sie genutzt wird.

Eine grundlegende Frage, die wohl über 90 Prozent nicht beantworten können:

Wenn du eine Apple Aktie über die Börse kaufst, wer bekommt das Geld?

Apple? Oder doch die Börse?

Keiner von beiden. Das Geld bekommt jene Person, die die Apple Aktie verkauft.

Die Börse ist nichts anderes als ein Handelsplatz, der Angebot und Nachfrage zusammenbringt. Sprich, du kannst nur etwas kaufen, wenn jemand anders genau dieses Wertpapier verkauft.

Bei den meisten Aktien fällt uns das nicht auf, da sie weltweit, in großen Volumina gehandelt werden. Doch bei einer kleineren österreichischen Aktie kann es schonmal passieren, dass man eine Kauforder gibt, die erst drei Tage später ausgeführt wird, da einfach bis dahin niemand die Aktie verkauft.

Hinter diesem Mechanismus versteckt sich aber auch eine wertvolle Erkenntnis: Wann immer du glaubst, eine Aktie ist günstiger und du sie deshalb kaufen möchtest, gibt es irgendjemanden, der das genaue Gegenteil vermutet und deshalb die Aktie verkauft.

Der Markt ist effizient

Am Finanzmarkt werden unfassbare Summen bewegt. Da auch ein Bruchteil eines Prozents bei Milliardenbeträgen verdammt viel Geld ist, beschäftigen sich unzählige smarte Menschen mit den neuesten und besten Modellen der Welt damit, auch die kleinsten Preisunterschiede zu finden.

Das führt dazu, dass fast jede öffentlich verfügbare Information bereits in den Preisen der Wertpapiere verarbeitet ist.

Hörst du also von einem Finanzguru online oder in einem Börse-Podcast die neuesten Nachrichten zu einem Unternehmen, bist du wohl nicht der oder die Einzige, mit diesem wertvollen Wissen.

Und was würdest du tun, wenn du weißt, dass ein Unternehmen nächstes Jahr großartige Gewinne erwirtschaftet? Würdest du warten, bis diese Gewinne tatsächlich erwirtschaftet werden oder würdest du heute kaufen?

Selbstverständlich würdest du das Unternehmen sofort kaufen. Genau das ist was alle Marktteilnehmer machen und der Preis steigt bereits heute. Die großartigen erwarteten Gewinne sind jetzt die Mindestanforderung, um den hohen Preis zu rechtfertigen.

Das ist auch der Grund warum ein großartiges Unternehmen NICHT auch ein großartiges Investment sein muss. Der Preis kann schlicht viel zu hoch sein.

Deshalb ist es am Kapitalmarkt genauso schwer schlechte Aktien zu finden wie gute. Denn wenn es einem Unternehmen tatsächlich enorm schlecht geht, wird der Kurs so weit fallen, dass der Preis die schlechte Situation widerspiegelt.

Wenn du also auf einzelne Unternehmen wettest, solltest du etwas wissen, was sonst niemand weiß. Und erst danach müssten alle anderen realisieren, was du bereits wusstest. Ist das realistisch? Vor allem vor dem Hintergrund, dass so viele ihren gesamten Arbeitsalltag damit verbringen Aktien zu analysieren?

Angenommen die Preise sind alle dort wo sie sein sollten. Was macht es dann für einen Sinn etwas zu verkaufen und etwas anderes dafür zu kaufen?

Mit jedem Handel verlierst du etwas Geld. Einerseits die offensichtlichen Handelsspesen, aber auch den Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs, dem sogenannten Bid-Ask-Spread.

Das ist der Grund, warum Handeln gefährlich ist für dein Vermögen. Allerdings soll das nicht heißen, dass du nie Einzelaktien handeln solltest.

Wenn du an Finanzen interessiert bist, kann es durchaus Sinn machen, mit einem kleinen Teil deines Portfolios zu spielen. Einzelne Unternehmen analysieren und dementsprechend investieren. Der Hauptvorteil ist allerdings nicht der finanzielle Erfolg, sondern was du dabei lernst.

Du analysierst Bilanzen, liest Geschäftsberichte und Analysten-Meinungen. All das ist wertvoll. Kurzfristig magst du dabei vielleicht auch ein glückliches Händchen haben. Langfristig hingegen bin ich davon überzeugt, dass du nicht besser als der Gesamtmarkt performen wirst.

Sei bei deinen Investitionen auch unbedingt ehrlich zu dir selbst. Den Self-Attribution Bias habe ich bereits im vergangenen Artikel beschrieben: Teil IV.

Ich hab während meinem Studium ebenfalls in Einzelaktien investiert, viel gelernt und gute Gewinne gemacht. Mir ist allerdings bewusst, dass in dieser Zeit der gesamte Aktienmarkt gestiegen ist und der Großteil meiner Gewinne einfach Glück war.

Manche meiner Studienkollegen hingegen glaubten sie wären Zauberer. Das ist allerdings schwer zu rechtfertigen in einer Marktphase, wo alles im Preis steigt.

Versuche nicht schlauer als der Markt zu sein

Der legendäre Investor und Gründer von Vanguard John C. Bogle gab folgenden Rat:

Versuch gar nicht, die Nadel im Heuhaufen zu finden. Kaufe einfach den gesamten Heuhaufen, dann bekommst du auch die Nadel.

Klar wäre es fein gewesen, um die Jahrtausendwende eine Amazon Aktie gekauft zu haben. Doch selbst bei dem unwahrscheinlichen Fall, dass du dieses kleine, unbekannte, amerikanische Unternehmen gefunden und gekauft hättest, wäre die nächste Herausforderung gewesen, dranzubleiben.

Denn beim Platzen der Dotcom-Blase hätte Amazon zwischenzeitlich knapp 90 Prozent seines Werts verloren. Wärst du da tatsächlich ruhig geblieben?

Und wärst du nicht auch verleitet gewesen nach 1.000 Prozent Gewinn mal diesen Gewinn mitzunehmen? Seit Erstemission der Aktie liegt die Wertsteigerung bei weit über 250.000 Prozent.

Genau das sind die Nadeln, die man finden möchte. Fakt ist allerdings, dass genau das unzählige Menschen probieren. Ohne Erfolg. Deshalb ist die weitaus entspanntere und einfachere Variante, den gesamten Heuhaufen zu kaufen. Nadeln, wie die Amazon Aktie, sind dann automatisch mit dabei.

Für dich ist all das eine großartige Nachricht. Dadurch, dass so viele Menschen weltweit Zeit und Geld in die Analyse des Finanzmarkts stecken, sind fast alle Informationen in den Preisen der Wertpapiere verarbeitet.

Du kannst also breit gestreut investieren und davon profitieren.

Der Finanzmarkt ist einer der wenigen Bereiche, in dem Faulheit belohnt wird. Nicht die Faulheit, die dich davon abhält überhaupt zu starten. Aber hast du deinen Sparplan erst mal aufgesetzt, heißt es einfach Ruhe bewahren, nicht zu oft die Kurse kontrollieren und dran bleiben.

Das ist definitiv leichter gesagt als getan. Deshalb findest du in Teil III den Unterpunkt „Mit Kursrückgängen umgehen”.

Über Jahrzehnte ist das die Formel für Vermögensaufbau.


Damit ist diese Artikelserie abgeschlossen. Fünf Fehler, fünf Artikel. Die nächsten Wochen wird es wieder Themen abseits des Investierens geben, versprochen.

Und noch eine persönliche Nachricht zum Schluss: Nach 5,5 Jahren habe ich mein Doktoratsstudium neben Vollzeitarbeit, Unterrichten an der Uni und Projekten wie dieser Website abgeschlossen! 🎓🥳

Dazu wird es definitiv einen Artikel geben. Wenn du nichts verpassen möchtest, melde dich gerne zum Newsletter an: Zur Anmeldung.

Jedenfalls ein großes DANKE, dass du dich für meine Artikel interessierst. Schön, dass du da bist!


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Buchempfehlungen

Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest – Thomas Kehl & Mona Linke

Narren des Zufalls – Nassim Nicholas Taleb

Abschließend noch ein Zitat von Warren Buffett:

„We don’t have to be smarter than the rest. We have to be more disciplined than the rest.“

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