Die größten Fehler beim Vermögensaufbau II

Dies ist der zweite Artikel der Serie „Die größten Fehler beim Vermögensaufbau“. Hier geht’s zum ersten Artikel: Teil I.

Der zweite Fehler beim Vermögensaufbau ist, dass du zu wenig sparst. Das klingt simpel. Ist es aber nicht, denn dahinter steckt mehr Psychologie als Mathematik. Denn egal wie viel jemand verdient, die Sparrate bleibt erstaunlich oft dieselbe: zu niedrig. Wie du das änderst und was deine Sparrate mit deinem Lebensglück zu tun hat, erfährst du in diesem Artikel.

Fehler 2: Du sparst zu wenig

Ich bin davon überzeugt, dass die meisten von uns viel mehr Potenzial in Bezug auf ihre Sparrate haben, als ihnen bewusst ist. Dabei geht es weniger um Wissen, sondern vielmehr um Psychologie.

Als Student oder Lehrling hattest du vielleicht weniger als 1.000 Euro im Monat zur Verfügung. Und irgendwie bist du damit ausgekommen.

Dann kam der erste richtige Job. Das erste satte Gehalt. Endlich die eigene Wohnung, vielleicht das erste Auto. Große, lebensverändernde Schritte. Von 1.000 auf 2.000 Euro zu springen verändert tatsächlich, wie du dein Leben lebst.

Doch was ist seither passiert?

Du bist die Gehaltsleiter weitergestiegen. Dein früheres Ich wäre begeistert von dem, was du heute verdienst. Aber bist du deshalb wirklich glücklicher? Eher nicht.

Das liegt an der sogenannten Lifestyle-Inflation. Mit jedem Gehaltssprung hast du dir auch etwas mehr gegönnt. Statt der Supermarkt-Eigenmarke jetzt Rituals. Statt Pizza jetzt Sushi. Statt der alten Wohnung eine modernere, teurere. Die Ausgaben wachsen einfach mit den Einnahmen mit.

Das wäre kein Problem, wenn du dadurch wirklich glücklicher werden würdest. Aber du wirst es nicht. Zumindest nicht dauerhaft.

Das Phänomen dahinter heißt hedonistische Tretmühle. Neue Dinge machen uns kurzfristig glücklich, aber nach spätestens ein paar Wochen sind sie zum neuen Standard geworden. Denk an dein letztes neues Smartphone. Die Vorfreude, das Auspacken, der Zauber der ersten Tage. Und heute? Ein Gerät wie jedes andere.

Wir lernen nicht daraus. Wir glauben immer wieder, dass das nächste Ding das sein wird, das uns wirklich glücklich macht.

Dabei hat deine finanzielle Stabilität einen weitaus nachhaltigeren Effekt auf dein Wohlbefinden. Wenn du weißt, dass du problemlos ein Jahr ohne Einkommen überstehen würdest, gibt dir das eine Gelassenheit, die kein neues Auto der Welt ersetzen kann.

Deshalb lohnt es sich, monatlich einen fixen Teil deines Einkommens zu sparen. Nicht als Verzicht, sondern als Bezahlung an dein zukünftiges Ich.

Eine kurze Anmerkung: In diesem Artikel werden Sparen und Investieren gleichgesetzt. Selbstverständlich solltest du über deine eiserne Reserve hinaus dein Vermögen investieren und für dich arbeiten lassen. Darum geht es in den kommenden Artikeln dieser Serie.

Der lebensliebende Sparer

Wenn es ums Sparen geht, gibt es zwei Extreme.

Auf der einen Seite jene, die nichts sparen und von Gehalt zu Gehalt leben. Auf der anderen jene, die auf jeden Cent achten und jede Ausgabe hinterfragen. Der zweite Fall klingt nach dem vernünftigeren. Aber beide Extreme sind schlecht für dein Glücksempfinden.

Stell dir vor, du sitzt mit deinen Liebsten in einem schönen Restaurant. Und das einzige, was dir durch den Kopf geht, ist, wie teuer der Abend wird. In diesem Moment beherrscht dich dein Geld, anstatt ein Werkzeug zu sein.

Maximalsparer haben nie gelernt, wofür sie gerne Geld ausgeben. Sie versuchen in jedem Lebensbereich das Maximum zu sparen, ohne zu merken, wie sehr das die Qualität ihrer Erlebnisse beeinflusst.

Ich sage das nicht wertend. Ich war selbst lange ein Maximalsparer. Diese Denkweise abzulegen ist verdammt schwer, denn sie hat einen weit gebracht und fühlt sich moralisch richtig an. Aber sie schränkt dein Lebensglück ein.

Der lebensliebende Sparer kennt den Unterschied. Er weiß, wofür er gerne Geld ausgibt, und tut es ohne schlechtes Gewissen. Gleichzeitig hat er verstanden, dass materielle Dinge ein Mittel zum Zweck sind, kein Zweck an sich.

Wenn du mit deinen Liebsten in einem schönen Restaurant sitzt, konzentriere dich auf den Moment. Nicht auf die Preise.

Das Ziel ist ein Leben, das so erfüllt ist, dass du gar keine Zeit hast, an das nächste neue Ding zu denken. Wer ständig lernt, Herausforderungen sucht und neue Erfahrungen macht, braucht nicht ständig neue Spielzeuge, um sich gut zu fühlen.

Werde unaufhaltsam

Es gibt zwei Arten von vermeintlich finanziell erfolgreichen Personen.

Die einen verdienen sehr viel. Die anderen sparen sehr viel. Beide haben einen Vorteil, aber auch eine Schwäche.

Jemand der ersten Gruppe fokussiert sich nur darauf, mehr zu verdienen. Gibt aber alles aus, um sich für die Strapazen zu belohnen. Er baut sich so ein goldenes Hamsterrad, denn er muss weiterhin Unmengen verdienen, um den teuren Lebensstil aufrechtzuerhalten.

Der Top-Sparer hingegen hat eine hohe Sparrate, denkt aber nie darüber nach, wie er mehr verdienen könnte. Er optimiert seine Ausgaben, aber nicht sich selbst.

Wer beides verbindet, ist nicht zu stoppen.

Venn Diagramm Top-Verdiener Top-Sparer Goldenes Hamsterrad Asket Weg in die finanzielle Freiheit

Die Mentalität eines Problemlösers, der kontinuierlich seinen Wert steigert, kombiniert mit der Disziplin eines lebensliebenden Sparers: Das ist der Weg in die finanzielle Freiheit.

Der erste Schritt ist, zu wissen, wo du stehst.

Führe für mindestens drei Monate ein Haushaltsbudget. Tracke alle Einnahmen und Ausgaben (ich nutze beispielsweise die kostenlose App Buddy). Es ist wie Kalorienzählen im Sport: mühsam, aber enorm aufschlussreich. Du wirst schnell merken, wo dein Geld tatsächlich hinläuft, und ob das mit dem übereinstimmt, was dir wirklich wichtig ist. Oft klaffen diese beiden Dinge weit auseinander.

Was die Sparrate selbst betrifft: Für jeden sollte es möglich sein, zehn Prozent seines Einkommens zu sparen. Wenn du noch nicht dort bist, ist das völlig in Ordnung. Arbeite dich Prozent für Prozent dorthin.

Wer ambitionierter ist, kann deutlich weiter gehen. Ich spare selbst rund 50 Prozent meines Einkommens. Mir ist bewusst, dass ich damit in einer außergewöhnlich privilegierten Situation bin. Aber ich sage das aus einem bestimmten Grund: Es fühlt sich für mich nicht nach Verzicht an. Ich lebe gut, gebe bewusst aus und genieße es. Ich bin ein lebensliebender Sparer.

Fang heute damit an. Schau dir an, was du diesen Monat ausgegeben hast. Und überleg, welchen Prozentsatz du ab dem nächsten Gehalt zur Seite legen kannst.

Für die finanzielle Freiheit braucht es dann noch weitere Schritte, um die es in den kommenden Artikeln dieser Serie geht. Im nächsten Beitrag erfährst du, welches Risiko Investieren mit sich bringt und welcher typische Fehler damit verbunden ist. Trag dich gerne für den Newsletter ein, um keinen Artikel zu verpassen.


Weiterlesen:

Die größten Fehler beim Vermögensaufbau I

Die wichtigste Fähigkeit für finanziellen Erfolg

Die Kunst Geld auszugeben

5 Arten dein Geld auszugeben

Buchempfehlung

The Simple Path to Wealth – J. L. Collins

Abschließend noch ein Zitat von Warren Buffett

„Do not save what is left after spending, but spend what is left after saving.“

Hier eine Bücherliste, falls du auf der Suche nach neuen Büchern bist. Wenn du noch nie Hörbücher probiert hast, kann ich dir das Probeabo von Audible empfehlen. Kostet nichts, ist jederzeit kündbar und du kannst dir das Buch auch nachher noch behalten.

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